Projekte

2012 Die Meistersinger von Nürnberg

Premierenbericht

Die Meistersinger für Kinder oder „Wir zeichnen uns eine Oper“

Das Regiekonzept ging von Anfang an auf, erzeugte eine Spannung für den Verlauf der Oper und war durchgehend überzeugend. Nachdem die gezeichnete Eva „lebendig“ wurde, ging’s los. Und gleich kamen die anderen „gezeichneten“ Darsteller, sich den Kreidestaub aus der Kleidung klopfend. Sängerinnen und Sänger müssen heutzutage ja sehr vielseitig sein. Zeichnen hatte ich bisher noch keinen gesehen. In den Meistersingern zeichnete sich jeder sein Haus und nach Ablauf der Ouvertüre befanden sich alle, Orchester, Darsteller und Publikum mitten in der Stadt Nürnberg, „80 km von Bayreuth“ entfernt. Ein sehr kindgerechter Ansatz. Kinder in einem bestimmten Alter sind ja auch der Meinung: „Ich kann mir alles zeichnen und dann ist es da.“  Auch eine kostengünstige Lösung für ein Bühnenbild: man braucht Wände mit Tafelfarbe bestrichen, den Bühnenboden am besten auch und alles, was ich auf der Bühne brauche, wird gezeichnet. Eva und Walther verstecken sich hinterm Busch, ganz einfach: Busch auf eine Tafel gemalt und sich die Tafel vor den Bauch gehalten.


David erklärt Walther die Singweisen: Die Lehrlinge, immer ausgestattet mit Tafel und Schwamm, malen jeweils ein Symbol auf ihre Tafeln und schon hat David die Anschauung zu seinem Vortrag. Die Lehrlinge waren vielfach ein Bindeglied in der Geschichte und sorgten für viel Auflockerung. Außerdem stellten sie, unterstützt durch die Solisten den Chor dar. Festwiese: Die Lehrlinge setzen sich auf den Bühnenboden in eine Kreis, jeder malt eine Blume, das Licht geht auch auf die Zuschauer und alle befinden sich auf der Festwiese.

Das Orchester sitzt unmittelbar vor den Kindern und es kann sogar wiehern, als Walther mit seinem Drahtesel, weißes Rennrad, pardon: Drahtschimmel kommt.


Ich bin jedes Mal erstaunt, wie das reduzierte Orchester den Wagner Sound hinbekommt. Das liegt auch an der wirklich guten Fassung. Das Original von ca. 300 Minuten auf 70 kürzen ist sicher nicht ganz einfach. Die Dialoge, die als Überleitung der fortlaufenden Handlung eingeschoben wurden, waren verständlich und kindgerecht. Ich habe gestaunt, mit wie wenigen die Fassung auskam. Die Story kommt zum Ausdruck, wird nicht verfälscht und wird von den Kindern gut verstanden. Dass die Beziehung im Stück zwischen Hans Sachs und Eva gestrichen wurde, war gut, um die Länge hinzubekommen, die Kinder nicht zu überfordern und nicht zu verwirren. So können sie mit der Geschichte wachsen. Sie haben verstanden, worum es bei den Meistersingern im Kern geht. Wenn später noch Einzelheiten dazu kommen, ist es für sie eine Erweiterung.

Die  Sängerinnen und Sänger zeichnen sich aus durch Professionalität und eine unglaubliche Spielfreude. Die klassisch ausgebildeten Stimmen, die vielen Kindern wahrscheinlich fremd sind, werden durch die sich den Kindern zuwendende Darstellung angenommen. Was ihre Ausstattung, neben der sehr guten Umsetzung der von den Schulklassen entworfenen Kostüme betrifft, müssen unbedingt die Perücken erwähnt werden, die sehr modern, auffallend und dennoch zu dem Ganzen passend, erstellt wurden.

Dem Orchester, allen voran dem Dirigenten merkt man an, dass sie voll hinter dieser Arbeit stehen, dass sie Wagner-Opern Kindern nahe bringen wollen.

Der Raum der Probebühne wurde bei den vergangenen  Kinderopern vielfach genutzt. Diesmal kamen mir der Spielraum und die Plätze der Zuschauer kleiner vor. Vielleicht durch die „Tafeln“ im Hintergrund und die Nähe zum Orchester hatte ich den Eindruck, dass die Akustik etwas schwierig war. Ich fand Orchester und Sänger sehr „knallig“, was mir bei der Premiere, in der ich ziemlich weit vorne saß, etwas Nöte machte. Ich fühlte mich von der Musik teilweise etwas bedrängt. Als ich am zweiten Tag ganz hinten saß, war es etwas besser.

Anerkennen möchte ich auch, dass allen wieder ein sehr informatives, unterhaltendes, aktivierendes Programmheft geschenkt wurde. Insgesamt war es wieder eine sehr gelungene Produktion. Für mich geht das Projekt immer mehr auf. Die Zusammenarbeit zwischen Kostümwettbewerb der Schulen, Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und der Bayrischen Theaterakademie August Everding München, dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt / Oder, finde ich ideal.

Eine mit viel Engagement und Liebe erstellte Arbeit bis hin zu den Häusern, die die Notenpulte schmückten.

Große Anerkennung und vielen Dank an alle Beteiligten!